Röteli wurde als ideologischer Kopf der Partei gehandelt und spielte den unbeschwerten intellektuellen Kasperli im völkischen Umzug auf dem Medienparkett. Er stieg nie in ein höheres Amt auf, dies besorgten andere.
Loch war zwar promovierter Doktor, punktete politisch aber vor allem mit seinem Stammtischgeschrei. Seine Geschäfte waren nicht immer sauber, hatten ihm aber vermutlich gerade deswegen viel Eigentum, Macht und Einfluss gebracht. Der Unternehmer gab sich als wohltätiger Patriarch und einfacher patriotischer Bürger, der unverblümt die Wahrheit sagt über die da oben. Als Innenminister trat er kräftig auf Linken, Flüchtlingen, Immigranten, Invaliden und anderen sozial Benachteiligten herum, seiner paternalistischen Kompetenzüberschreitungen wegen wurde er aus dem Amt gedrängt.
Sein Sparringpartner Bunker wurde in der Folge von der Partei als Minister nachgeschoben und konnte endlich aus dem Schatten des Chefs treten. Vorher ein sauertöpfischer, zynischer Parlamentarier und Parteipräsident, machte er nicht dieselben Fehler wie sein Vorgänger und gab sich als jovialer, volksnaher Konservativer. Neoliberal-konservative Politik und Rhetorik wurden allmählich populär und schick.
DieUrsachen für Massenentlassungen und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, für die Zunahme von Arbeitslosigkeit, Sozialhilfeabhängigkeit und neuer Armut suchte man nicht in der neoliberalen Bereicherung der Reichen und grossen Firmen, sondern bei den „Ausländern“, die Unterschicht und Mittelstand auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzierten. Auch die Schuld für die Entwurzelung der Menschen schob man den Immigranten und ihren angeblich anderen Werten zu, ebenso die angebliche Zunahme der „Kriminalität“ - gemeint waren vor allem kleinkriminelle Delikte, Handel mit geringen Mengen verbotener Substanzen, Schwarzarbeit und das Erschwindeln von Sozialhilfegeldern. Sie wurden deshalb mit diskriminierenden Gesetzen im verschärften Wettbewerb gebremst: Einschränkung der Rechte, Entzug von Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung oder der erworbenen Staatsbürgerschaft inklusive Ausweisung und Landesverbot schon bei geringen Verstössen gegen das Gesetz. Ausländische Vermögen, auch von Diktatoren, Steuerflüchtigen, Waffen-, Drogen- und Frauenhändlern im grossen Stil, fielen hingegen nicht unter das Strafgesetz und wurden von den Grossbanken weiterhin gern gehütet. Arbeitslose, Ausgesteuerte und Invalide bekamen immer weniger Unterstützung, dafür mehr Kontrolle, Überwachung und Erniedrigung.
Lange regierte die Partei mit meist hauchdünnen Mehrheiten mit Hilfe der übrigen Bürgerlichen, manchmal mit den Sozialdemokraten und Grünen. Die knapp Unterlegenen diffamierten sie mit sportlichem Elan und ignorierten ihre Anliegen. Liberale und sozialdemokratische Brückenbauer verbrüllten sie dreist als Linksradikale. Rechtsbürgerliche, die sich selbstgefällig als politische Mitte betrachteten, eilten den neuen Herren dienstfertig entgegen. Loch war der König der neuen Rechten mit häufigen Inszenierungen in den Mainstreammedien und im Internet. Er und seine Partei aber wollten mehr.
Linke und Libertäre, die sich noch gegen die Machtverhältnisse zu stemmen versuchten, wurden als gefährliche Staatsfeinde diffamiert. Da Beweise meist fehlten, wurden diese den Ahnungslosen wie Ostereier ins Nest gelegt: konspirative Korrespondenz in den Computer, ein paar Handgranaten und Handfeuerwaffen in den Keller. Spektakuläre Schauprozesse gegen „kriminelle Ausländer“ und „linke Al-Kaida-Terroristen“ wurden zu modischen Massenveranstaltungen und Medienereignissen.
In dieser Stimmung rückten die radikalen Patrioten weiter vor. Nach einem kurzen, aber intensiven Propagandafeldzug liess sich der bereits über achtzigjährige Loch zum Präsidenten mit Sondervollmachten auf zwanzig Jahre wählen mit dem Recht, in Rücksprache mit der Partei Parlamentarier, Minister und Chefbeamte zu ernennen und zu entmachten sowie Gesetze einzuführen und ungültig zu erklären. Auch Röteli, Bunker und unzählige weitere Darsteller erstrahlten in neuem Glanz.